Am 23. September 1969 gründen die Bürgermeister von Alteglofsheim, Köfering, Mintraching und Mangolding – Josef Homeier, Albert Kaindl, Johann Marchsreiter und Johann Häßler – im Gasthaus „Zur Post“ in Köfering
in Anwesenheit eines Vertreters des Landratsamts den „Zweckverband zur Abwasserbeseitigung im Pfattertal“.
Die
Entsorgung des Abwassers geschieht zu der Zeit ausschließlich über Hausklär-anlagen, teilweise wird das Überwasser über sogenannte „Bürgermeisterkanäle“ abgeleitet. Immer wieder gibt es Probleme mit der Abwasserbeseitigung,
weshalb von den Verantwortlichen bei der Gründungsversammlung „Zeitnot“ konstatiert wird. Die Pfatter ist zu der
Zeit sehr stark ver-schmutzt.
Daher wird bereits im April 1970 die Planung für eine gemeinsame Kläranlage und für den Hauptsammler, den
größten Kanal der späteren Abwasseranlage, vergeben. Im Juli wird in Mintraching-Herzogmühle das Grundstück
für den Bau der Kläranlage erworben. Die erste bauliche Maßnahme des Zweckverbands ist 1970 der
Haupt- sammler von Köfering nach Herzogmühle. 1972 beginnt man mit der Kanalisation von Alteglofsheim und
Mintraching, 1973 wird in Köfering mit den Kanalbauarbeiten angefangen, 1974 in Mangolding und 1976 in
Scheuer.
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Die Verbandsräte bei der Einweihung der
Kläranlage 1977 |
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Klärwärter M. Schrauf am Schaltschrank |
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Sichttiefenprüfung im mittlerweile stillgelegten
Nachklärbecken |
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Die früheren Belebungsbecken |
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Verwaltungsgebäude (Foto Lutz-Maß) |
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Betriebsgebäude mit dem stillgelegten
früheren Nachklärbecken (Foto Lutz-Maß) |
Ab 1975 wird die Kläranlage gebaut, die am 30. Juni 1977
eingeweiht werden kann. Die Abwasserbeseitigung erfolgt im Mischsystem,
das heißt, Schmutz- und Niederschlagswasser werden in einer
gemeinsamen Leitung geführt. Das Kanalisationssystem besteht zu
der Zeit aus dem Hauptsammler von Alteglofsheim bis zur Kläranlage
(Ausbaugröße: 15000 EGW) und den jeweiligen Ortsnetzen mit vier
Regenentlastungen, vier Kanalstauräumen und vier Pumpstationen.
Die Anlage wird vollautomatisch gesteuert mit Hilfe der induktiven Mengenmessung, eines
Messwerteumwandlers
und eines
Elektroschiebers. Im Regenfall können maximal 100
l/s Mischwasser (= 2facher Trockenwetterabfluss)
durch die Pumpstation gehoben werden. Das neu errichtete Betriebsgebäude
enthällt die mechanischen Teile der Anlage: den Bogenrechen
und den belüfteten Rundsandfang. „Für 2, 3 Millionen Mark entstand ein
imposantes Bauwerk mit modernsten elektronischen Steueranlagen, die
bereits bestens funktionieren“, steht nach der Einweihung in der Presse
zu lesen. Zu dem Zeitpunkt sind rund 75 Prozent der Bevölkerung der
beteiligten Gemeinden ans Kanalnetz angeschlossen, es fehlen noch
zwei Bauabschnitte des Kanalnetzes. Der damalige Vorsitzende des
Abwasserzweck-verbands, der Mintrachinger Bürgermeister Willi Edelmann
erklärt: „Der Verband ist am Ende seiner finanziellen Kräfte angelangt.“
Vom Wasser-wirtschaftsamt erhält man die frohe Kunde, dass der achte
Bauabschnitt mit 1,2 Millionen Mark in das mehrjährige Investitions-programm
der Landesregierung aufgenommen worden sei.
Die Kläranlage Herzogmühle ist die fünfte Kläranlage, die im Landkreis
Regensburg seit 1974 in Betrieb ge-nommen wird. Von einer „Klärschlammproblematik“
ist damals noch keine Rede, im Gegenteil: Der über-schüssige
Schlamm wird der Landwirtschaft als „ausgezeichneter Dünger“ zur
Verfügung gestellt und findet rege Abnahme.
Im August 1978 tritt die Gemeinde Thalmassing dem Abwasserzweckverband
bei. Gleichzeitig werden die Ortschaften Sengkofen, Moosham und
Tiefbrunn aufgenommen, die im Zuge der Gebietsreform der Gemeinde
Mintraching zugeschlagen wurden. Im September 1978 tritt die Gemeinde
Obertraubling dem Verband bei, allerdings nur mit dem Ortsteil Gebelkofen.
Von 1984 bis 1986 wird die Kanalisation von Thalmassing gebaut.
1983/84 finden die Kanal-bauarbeiten in Moosham statt. Der Ort erhält
eine eigene provisorische Kläranlage in Form der Oxidationsteiche, die
erst 2007 mit dem Anschluss an die Kläranlage Herzogmühle aufgelöst
werden.
Auch in den Folgejahren werden die Kanalbauarbeiten auf dem Verbandsgebiet
fortgesetzt, wie etwa in Gebelkofen und Untersanding-Neueglofsheim
(ab 1988), Wolkering (ab 1993), Sengkofen (ab 2001), Egglfing (ab
2002), Obersanding, Rosenhof, Roith, Wolfskofen, Neuallkofen-Allkofen,
Auhof, Tiefbrunn und Weillohe (ab 2003) sowie schließlich in Luckenpaint
(ab 2005).
Mit dem sprunghaften Anstieg der Zahl der angeschlossenen Einwohner
muss allmählich auch über eine Erweiterung der Kläranlage nachgedacht
werden. Der Baugrund dafür wird bereits 1989 erworben, doch bis mit der
Erweiterung und Modernisierung begonnen werden kann, vergehen noch
einige Jahre.
1990 zieht die Geschäftsstelle des Verbands ins neue Mintrachinger
Rathaus um, wo sie bleibt, bis der Abwasserzweckverband 1996/97
zusammen mit dem Wasserzweckverband Regensburg-Südein gemeinsamesVerwaltungsgebäude errichtet. Im September 1997 erfolgt der
Umzug in das neue Gebäude, das im Oktober eingeweiht wird.
Am 15. September des darauffolgenden Jahres gründet der Zweckverband
das Kommunal- unternehmen VBA (Verwaltungs- und Beteiligungsgesellschaft
des Zweckverbands zur Abwasserbeseitigung im
Pfattertal) und die Tochter-gesellschaft BSM GmbH (Betriebs- und
Sanierungs-gesellschaft für kommunale Dienstleistungen mbH Mintraching). Die VBA wird mit der Durchführung der
Abwasserbeseitigung auf dem Gebiet des Zweckverbandes beauftragt. Der Verwaltungsrat der VBA wird mit den
fünf Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden unter dem Vorsitz des Zweckverbandsvorsitzenden Joachim Stodolka
besetzt.
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Sandwaschanlage (Foto Lutz-Maß) |
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Rechenanlage (Foto Lutz-Maß) |
1998 ist die Klärschlammproblematik bereits ein Thema in den
Verbandssitzungen, nachdem die Bereitschaft der Landwirte, den Schlamm
abzunehmen, rückläufig ist. Der überschüssige Schlamm muss teuer
zwischen- gelagert werden. Zum 1. 1. 1999 tritt die gesetzliche Verpflichtung
in Kraft, wonach pro Tonne Klärschlamm-trockenmasse 20 Mark in
den Klärschlamment-schädigungsfonds einbezahlt werden müssen. 1999
müssen insgesamt 130000 DM für die Klärschlamm-entsorgung ausgegeben
werden. Die Suche nach Alternativen beginnt.
Durch die starke Entwicklung des Zweckverbands seit der Errichtung der
Kläranlage wird deren Erweiterung und Ertüchtigung nunmehr unumgänglich.
Die Not-wendigkeit hierzu ergibt sich zwangsläufig aus der Erhöhung
der Zulaufmengen und der Zulaufschmutz-frachten. Als erster Schritt wird
der Neubau des Betriebsgebäudes mit der mechanischen Reinigungs-stufe
in Angriff genommen. Die Anlage erhält eine neue Rechen- und eine neue
Sandfanganlage sowie eine Fäkalschlamm-Annahmestation und wird von
bisher 9700 auf 18000 Einwohnergleichwerte ausgebaut. Die maximale
Zulaufwassermenge wird von 100 auf 160 l/s erhöht. Dieser erste Bauabschnitt kostet 2,9 Millionen DM. Das neue Betriebsgebäude
wird am 1. Juni 2001 eingeweiht. Am 2. Juni kann die Bevölkerung
den Neubau an einem „Tag der offenen Tür“ besichtigen. Zu dem Zeitpunkt
sind 13419 Einwohner an die Kläranlage angeschlossen.
In den Jahren 2000 bis 2004 müssen durchschnittlich bereits jeweils 180000 Euro für die Klärschlammentsorgung
ausgegeben werden.
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Beim Spatenstich für die Erweiterung am 30. Mai 2005 |
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Eine gigantische Baustelle: Neubau von Belebungs-
(oben) und Nachklärbecken (unten) |
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Am 30. Mai 2005 erfolgt der Spatenstich für den zweiten
Bauabschnitt der Kläranlagenerweiterung, der die bio-logische
Reinigung betrifft. Gesamtkosten: 5,5 Millionen Euro. Dafür
werden ein Belebungsbecken, ein Nach-klärbecken und ein
Schlammsilo samt dazugehörigem Maschinenhaus errichtet.
Ziel der Maßnahme ist es, für die noch kritisch belastete
Pfatter die Gewässergüte-klasse II zu erhalten, sprich: ein
mäßig belastetes Ge-wässer mit guter Sauerstoffversorgung
und großer Artenvielfalt. Obwohl bei den Erdarbeiten
archäologisch bedeutsame
Funde auftauchen – darunter mehrere Gräber der Glockenbecher-Kultur (um 2400 v.
Chr.) - kann die Baumaßnahme fristgerecht im Juli 2006 fertig-gestellt werden.
Damit sind die baulichen Maßnahmen des Abwasserzweckverbands
in Bezug auf die Kanal-isation des Verbandsgebiets abgeschlossen. Aktuell
sind an die Kläranlage Herzogmühle rund 13800 Ein-wohner angeschlossen.
2006 wird auch das Problem der Klärschlammentsorg-ung angepackt,
nachdem eine landwirtschaftliche Ver-wertung so gut wie nicht mehr in
Frage kommt: Für rund 2 Millionen Euro wird ein Klärschlamm-Trocknungsge-bäude
errichtet. Hier werden die rund 5000 Tonnen ent-wässerter
Klärschlamm, die in der Kläranlage Herzog-mühle und in den Kläranlagen
von elf Partnergemeinden jährlich anfallen, von 25 auf 90 Prozent Trockensub-stanzgehalt
heruntergetrocknet und so auf 1400 Tonnen reduziert.
Im November 2006 erhält die VBA von der Europäischen Union den
Zuschlag für die innovative Idee, den anfallenden Klärschlamm durch Niedertemperatur-konvertierung zur Energiegewinnung zu nutzen. Die
entsprechende Technik wird im Laufe des Jahres 2007 bis Anfang 2008 in
das Klärschlamm-Trocknungsgebäude eingebaut. Die Pilotanlage geht im
April 2008 in Betrieb. Für das 4,25 Millionen Euro teuere Projekt gewährt
die EU einen Zuschuss in Höhe von 1,16 Millionen Euro. |